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Es dauerte nicht mehr lange und Beate wurde Mitglied des Vereins "Freunde des Fingerhutes". Der Verein hat knapp 400 Mitglieder in vielen Staaten. Die meisten kommen aus Deutschland, die Holländer stellen die zweitstärkste Fraktion, Mitglieder gibt es aber auch in den USA und in Japan. Einmal jährlich treffen sie sich zur Tauschbörse und Hauptversammlung in Creglingen, ein Herbstbesuch führt sie zu fingerhut-relevanten Zielen - in deutsche Porzellanmanufakturen, auf die Spuren der Wiener Firmen Steinböck und Gabler, selbst bis nach Petersburg ging es inzwischen. Die Rolle von Klaus' (er ist immerhin "Familienmitglied") bei den Treffen reduziert sich auf die des Chauffeurs und Fotografen. Höhepunke der ersten zehn Jahre Sammlerlebens waren das mühsame Zusammentragen der ersten Stücke der Sammlung, waren die Besuche in Creglingen und in diversen Porzellanfabriken. Nach zehn Jahren ließ Klaus von dem Creglinger Goldschmied und Fingerhütner Thorwald Greif einen Fingerhut als Einzelstück in massivem Silber herstellen - als Geschenk zu Beates Geburtstag. Ebenfalls 2004 kamen wir auf die Idee, einen eigenen Fingerhut herstellen zu lassen: Die "Weimar-Porzellan"-Werke in Blankenhain missachteten zwar jeden Kostenvoranschlag und erwiesen sich als sehr unfreundliche Geschäftspartner, so dass wir uns im Streit trennten; dennoch entstand ein kleiner, auf 30 Stück limitierter Fingerhut, den wir selbst verschenkten: An all die, die uns aus ihren Urlauben regelmäßig mit den kleinen Kostbarkeiten versorgten. Sie hatten es sich verdient. Während unserer Urlaubstour 2004 entdeckten wir auf der ukrainischen Halbinsel Krim unsere Schwäche für russische Lackmalerei (Palekh-Painting) und eine weitere kleine Spezialsammlung erhielt ihren Grundstock. Am ersten Juni 2008 gab es eine weitere Zäsur in unserem Sammlerleben: Wir kauften vom Düsseldorfer Andreas Vogt den Nachlass seiner Mutter Leni Müller - eine Sammlung von weit über 100 alten und antiken Fingerhüten. Vogts und Jägers tasteten sich unsicher an diesen Schritt heran, für beide war es schließlich Neuland. Dass am Ende alle zufrieden waren, lag auf der einen Seite an der schönen Erweiterung der Sammlung, auf der anderen Seite an der Gewissheit, die Sammlung der Mutter nun in guten Händen zu wissen. Verschiedene MaterialienFingerhüte nach dem Gesichtspunkt des Materials zu sammeln, ist eine der vielen Möglichkeiten, eine Sammlung zu strukturieren. Daraus erwachsen verschiedene Sammelgebiete - es gibt Fingerhüte aus edlen und unedlen Metallen, aus Leder, aus Holz, aus Horn, Porzellan, Bakelit, Emaille, Elfenbein, Schildpatt, Stein, Glas und und und. In Beates Sammlung finden sich Fingerhüte aus Porzellan, Keramik, Stahl, Zinn, Kupfer, Messing, Silber, Gold, Holz, Glas, Leder, Mammut-Elfenbein, Bakelit, Perlmutt, Jade, Bernstein, Alabaster, Horn, Stechginster und Riesenkohl. Die ältesten in Europa gefundenen Fingerhüte sind cirka 1200 Jahre alte spätrömische Nähringe aus Bronze. Auch später wurden überwiegend Metalle eingesetzt, bei Naturvölkern auch Leder, Horn und Holz. Dabei hatten besonders edle Metalle den Nachteil, dass sie zu weich waren. Das brachte beispielsweise Charles Horner auf die Idee, einen Silberfingerhut mit Stahlkern, den Dorcas, zu erfinden. Vor allem Schmuckfingerhüte und später natürlich die Souvenirfingerhüte wurden nicht zum alltäglichen Gebrauch hergestellt.
Fingerhüte aus Silber bilden ein vollkommen eigenständiges und breit gefächertes Sammelgebiet, da sie früher weit verbreitet waren. Vor allem das besser gestellte Bürgertum gab dem Silberfingerhut trotz der relativen Weichheit des Materials den Vorzug. Das Silber wurde durch den Zusatz von Kupfer härter gemacht. Wahrscheinlich wurden Silberfingerhüte bereits im Mittelalter benutzt. Silberfingerhüte der Neuzeit werden in der Regel aus einer großen Scheibe Silberblech gepresst und dann erhitzt, um die Spannungen im Material zu vermindern. Anschließend wird der Fingerhut auf einen Stahlrohling gesetzt und dann können Muster eingewalzt oder Formen gedreht werden. Als im 19. Jahrhundert regelrechte Fingerhutfabriken entstanden, die auch industriell Fingerhüte fertigten, kam es geradezu zu einer Massenverbreitung auch von Silberfingerhüten. Besonders die Engländer und Amerikaner taten sich dabei hervor. In Beates Sammlung finden sich Silberfingerhüte der Firmen Henry Griffith & Sons, Joseph Swan & Sons, und Charles Horner (darunter auch einige Dorcas-Fingerhüte). Der vermutlich älteste Silberfingerhut ihrer Sammlung ist einer mit der Punzierung der Stadt Chester aus dem Jahr 1886. Maschinell hergestellte Fingerhüte zeichnen sich im Regelfall durch ihre Großflächigkeit aus. In Kleinserie und von Hand werden auch Fingerhüte hergestellt, deren Körper ein filigranes Geflecht aus Silberdraht bildet. Nur die Kappe in verschiedenen Formen und Größen sind flächig gearbeitet. Solche Fingerhüte gab es in England schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie werden noch heute gerne als Souvenirfingerhüte hergestellt. In Russland und der Ukraine halten sie auf der Frontseite ein kleines Medaillon aus Email oder billiger Plaste, oft auch als Kopfstein wiederholt. Andere tragen auf dem Silbergeflecht grundsätzlich einen Schmuckstein - sie werden meist nicht zum Gebrauch sondern ausschließlich als Schmuck hergestellt. Bis heute gibt es Silberschmiede, die Silberfingerhüte als Einzelexemplare oder in Kleinserie herstellen. Der bekannteste in Deutschland dürfte Thorvald Greif sein, andere Exemplare aus Beates Sammlung stammen von Nikol Dedaj (Kroatien), Juho Käkelä (Finnland) und aus diversen ukrainischen Manufakturen.
Emaillierte Fingerhüte sind natürlich streng genommen nichts anderes als Fingehüte aus Metall. Nur ganz selten werden andere Werkstoffe als Untergrund für die Schmelze verwendet. Beim Emaillieren wird die sogenannte Fritte, ein Gemisch aus Quarz, Feldspat, Borax, Soda, Pottasche, Aluminiumoxid, Haftoxide, Trübungsmittel und Flußmittel auf das Metall aufgeschmolzen. Durch die Zugabe von Schwermetallen oder Farbkörpern wird die Emaille beliebig eingefärbt. Emaillierte Schilder auf Metallfingerhüten wurden im vergangenen Jahrhundert oft in der Produktion von Souvenirfingerhüten angewendet. Eine besondere Technik der Emaille-Kunst ist die sogenannte Zellschmelze, auch Steg-Emaille oder Cloisonnè-Technik genannt. Dabei wird die Emaille flüssig aufgetragen. Dünne Stege aus Draht begrenzen den Fluss der Schmelze, die Stege werden zuvor auf den Rohling aufgelötet und sind danach noch zu sehen, manchmal sogar als erhabene Stellen zu fühlen. Diese Technik wurde bereits im 14. Jahrhundert von den Chinesen praktiziert. Sie wird heute noch gerne und oft eingesetzt, dabei entstehen sehr farbenfrohe und prachtvolle Fingerhüte, die auch außergewöhnliche Formen haben - wie z.B. von Eulen- oder anderen Vögeln. Der Fingerhut des Monats Juni 2006 zeigt einen Cloisonnè-Fingerhut vom Anfang unseres Jahrhunderts. Beates Schwiegereltern schenkten ihn ihr im Mai 2001. An dieser Stelle noch eine große Bitte an die Freunde des geschriebenen Wortes: Man sagt die Emaille oder das Email. Will man hingegen elektronische Post per Internet versenden, dann schickt man eine E-Mail (Electronic Mail). Es verursacht aufrecht stehende Nackenhärchen, wenn man das ohne Bindestrich schreibt - das geht ja nun gar nicht.
Fingerhüte aus Porzellan tauchen in der Kulturgeschichte des Fingerhuts erst sehr spät auf. Das Material galt als zu zerbrechlich, um ernsthaft als Fingerhut benutzt zu werden. Erst mit dem Aufkommen von Fingerhüten als Souvenir wurde auch Porzellan verwendet. Inzwischen gelten Fingerhüte berühmter Porzellanmarken (wie etwa Meißen in Deutschland, Wedgwood und Birchcroft in England, Herend in Ungarn) als eigenständiges Sammelgebiet. Bei einem Besuch in der Herender Manufaktur im Herbst 2003 kaufte sich Beate ein Belegexemplar (s.o.: Fingerhut des Monats Juli/2008). Die ungarische Manufaktur wurde 1826 gegründet und empfahl sich nach großen Ausstellungserfolgen als Lieferant für den europäischen Erb- und Geldadel. 1872 wurde die Manufaktur zum k.u.k.-Hoflieferanten ernannt und 1948 verstaatlicht. Heute ist Herend als größte ungarische Porzellanmanufaktur eine Aktiengesellschaft, die zu 75 Prozent den insgesamt 1700 Mitarbeitern gehört. Porzellanfingerhüte werden nicht nur in den verschiedensten Porzellanarten (wie Biskuitporzellan oder Bone China), sondern auch in den verschiedensten Techniken hergestellt. In Beates Sammlung finden sich Fingerhüte mit aufgesetzten Dekorelementen aus Porzellan oder Metall ebenso wie solche mit Kopfsteinen, handbemalte oder durchbrochene (Foto links). Bei letzterer Technik wird der Porzellanrohling behutsam mit dem Messer regelrecht ausgeschnitten, bevor er zum Glühbrand kommt. Erst danach erhält er die Glasur. Durchbrochene Fingerhüte sind relativ selten, die Technik wird unter anderem von mehreren kleineren Manufakturen in Ungarn gepflegt.
Fingerhüte aus Glas sind sehr selten wirklich zum Nähen hergestellt worden. Ein signifikantes Merkmal ist die Oberfläche - ist sie angeraut, dann könnte es sich um einen Gebrauchsfingerhut handeln. Solche Stücke gibt es unter anderem im Britischen Museum (Kristall mit Kreuzschraffierungen) und in einigen Privatsammlungen. Auch venezianisches und böhmisches Glas wurde zur Fingerhutherstellung verwendet. In Beates Sammlung findet sich nur eine Handvoll Fingerhüte aus Glas als Belegexemplare für das Material - sie bilden kein eigenständiges Sammelgebiet.
Fingerhüte aus Bernstein (engl. Amber) gelten selbstverständlich auch als Schmuckfingerhüte. Es ist nicht anzunehmen, dass mit ihnen jemals ernsthaft genäht wurde. Um gleich mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen: Bernstein, obowhl gerne in der Schmuckindustrie angewendet, ist weder ein Edel- noch ein Halbedelstein. Er wird zwar seit Menschengedenken als Schmuck verarbeitet, ist aber weder ein Mineral, noch ein Gestein. Bei Bernstein handelt es sich um fossiles Harz, das nicht selten älter als 200 Millionen Jahre ist. Der im Handel angebotene "Echtbernstein" ist oft ein aus Schleifresten und kleinen Stücken gepresster Bernstein. Durch verschiedene Drücke und Temperaturen lassen sich verschiedene Klarheiten und Trübungen herstellen. Die verschiedenen Bernsteinarten sind nur durch spezielle Untersuchungen voneinander zu unterscheiden. Der hier vorgestellte Bernstein-Fingerhut wurde 2006 bei einem Juwelier in Binz gekauft. Warnen möchten wir vor dem Kauf von besonders billigem "Bernstein". Meist handelt es sich um bernsteinfarbene Kunststoffe. Zur Prüfung der Echtheit gib es vor allem drei Methoden: 1. Feuer: Bernstein ist brennbar, daher auch der Name, abgeleitet von Brennstein. Er verbrennt mit typisch harzigem Geruch. 2. Die Nagelprobe: Fährt man mit einem z.B. per Feuerzeug erhitzten Nagel über Bernstein, wird er schmierig und riecht nach dem Ausgangsprodukt Harz. Allerdings beschädigt man mit der Nagelprobe den Schmuck. 3. UV-Licht: Die einzige berührungsfreie und sichere Methode zur Identifizierung besteht in der Bestrahlung mit einer UV-Lampe. Echter Bernstein strahlt unter UV-Licht weiß-blau. Plastik kann das nicht.
Fingerhüte aus Jade (engl. Jadeite oder Jade) gehören selbstverständlich auch zu den Schmuckfingerhüten, obwohl das Material immerhin hart genug ist, dass es vor tausenden von Jahren in China als Spitzen von Werkzeug und Waffen verwendet wurde. Jade wird als Bezeichnung für das Material Jadeit und Nephrit verwendet. Doch Achtung - wenn im seriösen Edelsteinhandel von Jade gesprochen wird, handelt es sich stets um echten Jadeit. Alle Jaden mit Beinamen wie russische Jade, koreanische, kalifornische und indische sind falsche Jaden. Hinter ihnen verbergen sich Mineralien wie Vesuvian oder Aventurin. Die größten Jade-Vorkommen befinden sich in China und in Burma (Myanmar). Aus Jade wurde seit Jahrtausenden Schmuck hergestellt, teilweise in großen Tafeln zur Verblendung von Behältnissen oder als große Statuen, die aus einem Stück gehauen wurden. Der territoriale Schwerpunkt für die Jadeschmuck-Industrie liegt naturgemäß in China. Jade als Material für Figerhüte aus einem Stück ist relativ selten. Wesentlich leichter zu finden sind Kopfsteine oder Schmucksteine in Fingerhüten aus Jade. Das abgebildete Exemplar fand Beate in einer kleinen Boutique in Vinci bei Florenz.
Die Dorcas-Fingerhüte
Dorcas-Fingerhüte bilden ein spezielles Sammelgebiet. Es handelt sich um Silberfingerhüte mit Stahlkern. Reine Silberfingerhüte hatten das Problem, zu weich zu sein. Deswegen kam Charles Horner in Hebden Bridge, Yorkshire (später in Halifax) auf die Idee, einen robusten Stahlkern mit Silber zu umhüllen. Das Verfahren ließ er sich 1884 patentieren (Patent Nummer 8954). Die ersten Dorcas-Fingerhüte trugen nicht den Namen Dorcas, sondern nur die registrierte Design-Nummer (rd. no.) oder "pat." (Eintragung als Patent). Der frühe Dorcas (etwa bis 1890) trug eine gewölbte Kuppe, später oft eine abgeflachte. Schon vor Charles Horner kamen Fingerhütner auf die Idee, Fingerhüte aus Messing, Silber oder Gold mit einer Kappe aus Eisen oder Stahl auszustatten, um sie vor vorzeitiger Abnützung zu schützen. Dorcas-Fingerhüte jedoch sind besser ausgewogen, als solche mit Eisen- oder Stahlkappe, weil sich das Gewicht gleichmäßig über den ganzen Fingerhut verteilt. Da diese Fingerhüte mit einem Stahlkern versehen sind, dürfen sie keinen Feingehaltsstempel tragen, doch finden sich oft die Markennamen wie "Dura", "Dreema" (von Henry Griffith, Leamington), "Dorcas" oder "Little Dorcas". Der Preis eines Dorcas-Fingerhutes wurde in der Anzeigenspalte einer Frauenzeitschrift in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit zwei Schilling und sechs Pence angegeben. Dorcas-Fingerhüte kosten heute zwischen 20 und 80 Euro, je nach Alter, Hersteller und Erhaltungsgrad Charles Horner stellte auch Fingerhüte aus solidem Silber und Gold her, diese trugen die Initialen CH und üblicherweise die Beschaumarke von Chester. 1896 starb Charles Horner, das Geschäft wurde von J.D. und C.H. Horner weitergeführt. Der Dorcas wurde weiter produziert, ab 1905 als verbesserte Variante unter dem Namen improved (verbessert). Die Patent- und Designnummern ließ man später fallen: Nachfolgende Fingerhüte bekamen den Stempel mit dem Namen "Dorcas", dem Zeichen "CH" und einer Nummer für die Größe. (Autor: Klaus Jäger; Quellen: Sammlung Beate Jäger; Bridget McConnell, Fingerhüte, Karl Müller Verlag 1996; Edwin F. Holmes, Fingerhüte, Paul Haupt Bern und Stuttgart 1980) Russische Lackmalerei auf Fingerhüten
Ein weiteres Feld in der Sammlung Beate Jäger bilden Fingerhüte mit russischer Lackmalerei. Die Lackkunst ist schon 4000 Jahre alt und wurde - wen wundert's? - in China erfunden. Die Chinesen nämlich benutzten als erste den Saft des Lackbaumes als Schutz und Schmuck von Geräten und Bauwerken sowie als Bindemittel für Farben. Berühmt wurde später vor allem die japanische und die russischer Lackkunst. In Russland waren es vor allem die Ikonenmaler, die die Techniken und Fertigkeiten über Jahrhunderte perfektionierten. Palech, ein kleines Städtchen nordöstlich von Moskau, war im 18. Jahrhundert das Zentrum schlechthin für die Ikonenmalerei. Dort wurde auch die Lackminiaturmalerei auf kleinen Kästchen aus Pappmaché so perfektioniert, dass inzwischen international der Begriff des "Palekh Painting" als Synonym für russische Lackmalerei steht. Die aufwändigsten der kleinen Kistchen und Kästchen mit Lackmalerei werden bis zu einem Jahr lang bearbeitet. Von den Malern wird noch höhere Präzision und Kunstfertigkeit verlangt als von den Porzellanmalern. Die Fingerhüte mit russicher Lackmalerei basieren überwiegend auf gedrechselten und geschliffenen Fingerhüten aus weichem Holz. Sie werden, wie die Kistchen auch, in einem komplizierten Verfahren mit mehreren Lackschichten überzogen und mit leuchtenden Temperafarben bemalt. Motive sind häufig bäuerliche Szenen, Landschaften und Tiere. Besonders schön sind jedoch die Fingerhüte mit Märchenmotiven - fast ausschließlich aus dem reichen russischen Märchenschatz. Fingerhüte mit russischer Lackmalerei bekommt man sehr preiswert in Russland oder den ehemaligen UdSSR-Staaten selbst, oft auch in russischen Souvenirläden. Aber Achtung: Man muss sie schon von einfachen bemalten Holzfingerhüten zu unterscheiden wissen. Doch das ist für jeden sehr einfach, der einmal auf den sagenhaften Detailreichtum echter Lackmalerei geachtet hat. Der Grundstock zu Beate Jägers Teilsammlung stammt aus Souvenirläden auf der Krim und in Odessa, der Rest wurde bei anderen Fingerhutsammlern oder bei Ebay zusammengetragen. Motiv-FingerhüteEs wurde schon wiederholt erwähnt, dass man Fingerhüte nach verschiedenen Gesichtspunkten sammeln kann. Zu den Motiv-Fingerhüten zählen unter anderm Tiere, Blumen, Wappen, Schmetterlinge, Pilze, Politiker. In England werden gerne die Royals gesammelt, Landschaften und Sehenswürdigkeiten gehören auch zu den beliebten Motiv-Fingerhüten. Dabei muss man unterscheiden zwischen einfach aufgemalten oder aufgebrannten Motiven und aufwendig aufgesetzten Motiven z.B. aus Porzellanfigürchen wie beim Wedgwood-Porzellan.
Ein Sondergebiet unter den Motivfingerhüten ist Werbung auf Fingerhüten. Die war schon im vorigen Jahrhundert bekannt, lange bevor man anfing, mit Bildern grell und bunt auf sich aufmerksam zu machen. Bekannt und beliebt waren vor allen Dingen Aluminiumfingerhüte, die auf der sogenannten Galerie, also dem unteren Rand des Hutes, ein Band mit Werbeaufschrift trugen. In Beates Sammlung finden sich 15 solcher Exemplare mit oder ohne Kopfstein unter anderem für Nähseide oder Nähmaschinen, für Nadelfabriken und später auch für Seife, Margarine, Autos ("Drive a Buick!") und Zeitschriften ("The Spectator" - Foto links). Zum Thema Werbung auf Aluminiumfingerhüten ist in der Nummer 44/45 (2007) der Fachzeitschrift "Rund um den Fingerhut" (die Vereinszeitschrift der "Freunde des Fingerhuts") ein interessanter Beitrag von Edith Jungbludt erschienen. Sie schreibt unter anderem: "Hergestellt wurden diese Fingerhüte in großer Stückzahl. In den Unterlagen verschiedener Hersteller finden sich Hinweise auf die Größenordnung 50.000 oder auch 500.000. ... Dass der Fingerhut als Zugabeartikel für Nähfaden und Nähmaschinen eingesetzt wurde, lässt sich mit dem verwandten Einsatz in der häuslichen Nähstube erklären. Aber geworben wurde auch für Seifenpulver, Glühkörper, Bier, Kaffee usw. Ob die Fingerhüte beim Einkauf eines Produktes verschenkt wurden, oder vom Einzelhändler als Aufmerksamkeit verteilt wurden, ist leider nicht bekannt." Mit Hilfe elf weiterer Mitglieder des Vereins wurde eine Tabelle erstellt, die insgesamt 441 verschiedene Aluminiumfingerhüte mit Werbung auflistet. Sie beginnt bei A.BAHORIC SUSAK 1907-1923 und endet bei Zwicky Seide. Allerdings finden sich darunter auch Fingerhüte mit aus heutiger Sicht recht zweifelhafter Werbung wie beispielsweise der Aufschrift "Gott strafe England". Das in der Liste am häufigsten vertretene Unternehmen ist übrigens Kaiser's Kaffee mit immerhin 16 Exemplaren, die sich in der Farbe des Bandes und des Kopfsteines voneinander unterscheiden. Die Tatsache, dass unter den 15 Exemplaren in Beates Sammlung allein 10 sind, die in der Jungbludt'schen Liste noch nicht aufgeführt sind (z.B.: Held's Margarine, Drive a Buick, Dr. Lovelace's Soap, Iten Biscuit und Lyons Cakes), wirft ein bescheidenes Licht auf die mögliche Dunkelziffer von tatsächlich hergestellten Stücken. [Selbstverständlich bekommt Edith Jungbludt, die wir sehr schätzen, umgehend nach dieser Veröffentlichung eine Liste mit Beschreibungen der genannten Stücke]. Man sieht: Allein aus diesem kleinen Spezialgebiet kann sich eine eigene Sammlung entwickeln - und eine preiswerte dazu, wenn man die Auflagenzahlen beachtet. Unter Sammlern und auf Märkten sind auch für gut erhaltene Exemplare stets nur wenige Euro zu berappen. Klaus zum Beispiel denkt bereits jetzt über eine Spezialspezialspezialsammlung nach: Zeitschriftenwerbung auf Aluminiumfingerhüten. Immerhin: "News of the World" und "The Spectator" sind bereits vorhanden.
Wichtig ist letztlich immer nur, was gesammelt wird. Zu einer Sammlung mit Auto-Motiven z.B. gehören auch die Logos der Unternehmen auf Werbefingerhüten. Moderne Werbe-Fingerhüte bedienen meistens das klassische Advertising - also die reine Produktwerbung. Die Stücke tragen Bilder bzw. Logos oder Schriftzüge von den beworbenen Marken. Besonders hervorgetan hat sich dabei in den vergangenen Jahren die Firma Cottage Thimbles aus Penzance in der Grafschaft Cornwall im Süden Englands. Cottage Thimbles hat jederzeit rund 200 Werbefingerhüte von AA und After Eight bis Woolworth und Zebra Grate Polish gelistet. Das Unternehmen stellt Fingerhüte als Massenware her. Der Sammler erkennt sie nicht nur an der Porzellanmarke im Inneren, sondern auch an der ewig gleichen schlanken Glockenform und an dem Goldrand auf der Galerie. Vorteil der Massenfertigung für den Sammler ist natürlich der niedrige Preis - einen Fingerhut aus Penzance erhält man zum Preis von einem britischen Pfund (Porzellan) bis 22 britische Pfund für einen Fingerhut aus Sterling Silber mit Lapislazuli. Zu den Motivfingerhüte von Cottage Thimbles zählt auch die königliche Familie. "Wir sind spezialisiert auf Sehenswürdigkeiten der Welt und Designs der königlichen Familie", heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Allein 113 Porträt-Fingerhüte der königlichen Familie listet Cottage Thimbles zurzeit auf. Dabei reicht das Spektrum von der Queen Mom bis hin zu den Prinzen-Freundinnen Kate Middleton und Chelsy Davy. Fingerhüte zu Kron- und Ehejubiläen sind dabei noch gar nicht mitgerechnet. So bilden allein die Porzellan-Fingerhüte eines Herstellers und einer Familie ein völlig eigenständiges Sammelgebiet.
In Beates Sammlung befinden sich zwei sogenannte "Fehldrucke" aus der Grafschaft Cornwall. Das eine ist der nebenstehend abgebildete Gedenkfingerhut "Tour de France - 100 Years - 1903-2003". Das Fitness-Bike was hier abgebildet ist, dient zwar der sportlichen Fahrweise, hat aber mit Rennrädern, mit denen die Tour de France gewöhnlich absolviert wird, nicht das geringste zu tun. Der andere Fehldruck ist der mit dem ursprünglich geplanten Hochzeitsdatum von Prinz Charles und Camilla Parker Bowles - dem 8. April 2005, der wegen der Beisetzung von Papst Johannes Paul II. schließlich um einen Tag verschoben wurde.
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